Grüße nach Österreich

Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter stehen.
Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter stehen.
Kurt Tucholsky (1890-1935) Dt. Schriftsteller

Wieder eine Anekdote mitten aus dem Leben: Jede Woche gehen von uns auch Pakete nach Österreich auf die Reise. Doch eine Sendung per Nachnahme hatten wir in das Alpenland noch nie. Aber für alles gibt es ja ein erstes Mal und in diesem Falle war es heute soweit.

Bei uns wurde eingekauft und als Zahlart per Nachnahme gewählt. Soweit noch alles in Ordnung. Die Lieferung sollte nach Österreich gehen. Geht das überhaupt per Nachnahme? Schnell mal auf den Internetseiten der Post nachgeblättert – Paket kostet EUR 17,00; Zusatzservice Nachnahme ist möglich, da kommt eine Gebühr von brutto EUR 5,00 noch mal drauf. Also sehr teuer, aber immerhin möglich.

Das Paket wurde gepackt, die entsprechenden Papiere ausgeschrieben – Problem: der uns vorliegende Zahlschein ist nur für den deutschen Inlandsverkehr verwendbar. Die Felder für Konto und Bank sind einfach zu klein für IBAN und BIC. Aber die Damen und Herren der gelben Post werden uns da sicher helfen können – so die Hoffnung.

Spezielle Dinge müssen vor Ort geklärt werden. Also Paket ins Auto und ab zum Postshop. Bei meinen Worten: „Einmal ein Paket nach Österreich …“ lächelte der Mann hinter dem Schalter noch ganz freundlich. Doch bei „… per Nachnahme.“ war sein Blick wie versteinert. Die Dame vom Nachbarschalter rief gleich herüber: „Das hatten wir ja noch nie. Geht denn das? Dürfen wir das überhaupt?“ Schnell blätterte sie in ihrem Gebührenbüchlein nach – und siehe da: Das gibt es wirklich und es sollte auch funktionieren. Soweit zur Theorie.

Der Chef des Hauses hing inzwischen am Telefon, um sich bei seiner Gebietsleiterin Instruktionen geben zu lassen, wie man einen Kunden mit solch vermessenen Wünschen behandelt. Ein Zahlschein für den internationalen Geldverkehr wird benötigt … und im Schrank gesucht. Als nach etwa fünfminütigem Suchen nichts gefunden wurde, was einem Zahlschein auch nur ähnlich sah, wurde mir eine Auslandsüberweisung der Postbank in die Hand gedrückt. Da sind ja auch die entsprechend benötigten Felder, das sollte doch auch funktionieren. Ich bin mir da nicht so sicher, aber ausgefüllt habe ich den Schein trotzdem.

Nachdem sich nun die Panik gelegt hatte und beide Schalter damit zu tun hatten, meinen scheinbar außergewöhnlichen Wunsch zu bearbeiten, war das Paket eine Viertelstunde später auf die Reise gebracht. Hinter mir hatte sich inzwischen eine Schlange wartender Menschen angestaut, welche bis zum Eingang des zehn Meter entfernten Lebensmittelladen reichte. Dass das Paket ankommt, sorge ich mich nicht, aber ich bin mal sehr gespannt, wann wir unser Geld sehen werden.

(mrj)

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